28. September - 4. Oktober 2009
G’day to everyone
Nach einer eher missglückten letzten Woche hofften wir auf eine deutliche Steigerung in dieser Woche. Allerdings wurden unsere Hoffnungen immer wieder zunichte gemacht und so erlebten wir ein Wechselbad der Gefühle. Bei all diesen Erlebnissen lernten wir aber neue Leute kennen und staunten über die Hilfsbereitschaft der einen und die Gleichgültigkeit der anderen. Doch auch aus der Schweiz, aus Revesby und aus Yeppoon erhielten wir liebe Angebote und Aufmunterungen. Es lief also nicht alles schief ;-)
Unsere Route in dieser Woche
Halls Creek – Halls Creek – Halls Creek (Roger)
Halls Creek – Perth – Nullabor (Sibylle)
The Bungle Bungles
Hier waren wir...
... leider nicht :-(
China Wall
Am Montag hatten wir ausser Abwarten nichts Spannendes zu tun, denn es war ein Feiertag und so lief natürlich bezüglich unserem Auto nichts. Wir frühstückten nochmals mit Ursi und Armando und waren froh um etwas Ablenkung. Danach durften wir noch eine Fahrt in ihrem eindrücklichen Gefährt geniessen und wir fuhren zusammen zur China Wall. Diese Mauer sieht wirklich aus, als ob sie von Menschenhand gebaut worden wäre, aber dem ist nicht so. Die Mauer ist ein Überbleibsel vom Felsen, der in dieser Region zerbröckelt ist. Da aber der Felsen teilweise aus einer speziellen Art von Quarz bestand, blieb dieser Teil stehen. Solche Sachen sind einfach immer wieder eindrücklich!
China Wall
Hätten wir nicht schon unsere Miss Abbi gehabt, wäre wohl dieses Fahrzeug in die engere Wahl gekommen ;-)
Oh Wunder! Doch nicht?!
Am Dienstagmorgen war die Anspannung bei uns recht gross, da wir die Ankunft unserer Spule für Miss Abbi erwarteten. Und tatsächlich, dieses Teil fand seinen Weg in die Autogarage. Voller Vorfreude und mit der Überzeugung, dass nach dem Wechsel der Spule alles wieder läuft, räumten wir unsere Sachen auf dem Campingplatz zusammen und liessen Miss Abbi in die Garage abschleppen. Nur ein paar Minuten und alles wird wieder in Ordnung sein! Dachten wir. Aber wir wissen ja, wer denkt und wie das oftmals ausgeht. So lief Miss Abbi natürlich mit der neuen Spule auch nicht und wir waren der Verzweiflung nahe. Das konnte doch einfach nicht wahr sein!!! Nach diesem nervenaufreibenden Moment am Vormittag folgte nun ein sehr langer Tag, der irgendwie nicht nach unseren Wünschen verlief. Der Mechaniker grübelte immer etwas an unserem Auto, der Chef ignorierte uns und Infos bekamen wir erst recht keine. Mir kamen so einige böse Worte in den Sinn, von denen ich wohl das eine oder andere auch aussprach. Ich bemühte mich aber darum, leise zu reden und immer brav auf schweizerdeutsch. Gebracht hat das natürlich alles nichts, aber immerhin konnte ich meiner Wut auf diese Weise etwas Luft machen.
So beobachteten wir den ganzen Tag das Treiben bei der Autogarage, redeten mit Leidensgenossen und hofften auf ein Wunder. Irgendwann rief Caro an und fragte nach unserem Befinden und was nun mit dem Auto sei. Dieses Telefonat tat gut, auch wenn es nur der Ablenkung diente. Einige Stunden später rief auch noch Papi an. Er hatte sich Gedanken zum Auto gemacht und in einer Garage nachgefragt, was noch der Grund für unsere Panne sein könnte. Insgesamt rief er dreimal an, um weitere Tipps zu geben. Leider war auch da die Lösung nicht dabei, aber die Unterstützung tat ebenfalls gut. Später meldete sich Caro nochmals mit einem sehr lieben Angebot, in der Hoffnung sie könne mir eine lange Reise alleine mit Bus und Zug ersparen. Dafür danken wir euch, Caro und Fla, nochmals ganz herzlich! Auch Susi schrieb, dass sie uns helfen würde, wenn sie doch nur könnte ;-)
Gegen Abend wurden wir dann informiert, dass der Sensor im Verteiler kaputt sein muss und wir einen neuen bestellen müssen. Es klang, als sei der Mechaniker ganz sicher, dass wirklich dies das Problem ist und etwas anderes als das zu glauben, blieb uns sowieso nicht übrig. Also bestellten wir ein anderes Ersatzteil und entdeckten gleichzeitig eine weitere Möglichkeit, alles etwas voran zu treiben. Es war nämlich noch ein Franzosen Paar mit einem Mitsubishi Pajero in Halls Creek gestrandet, die ebenfalls eine Autopanne hatten. Wir hofften nun darauf, dass sie auch auf ein Ersatzteil warten müssen und uns in der Zwischenzeit ihren Verteiler „ausleihen“, damit wir diesen in unser Auto einbauen können und so herausfinden, ob das Problem wirklich da liegt. Unsere Idee löste bei den Beiden aber nicht gerade Begeisterung aus und sie vertrösteten uns mit ihrer Antwort auf den nächsten Tag.
So ging dieser Tag ohne sichtbaren Erfolg, aber mit der Gewissheit zu Ende, dass ganz viele liebe Menschen an uns denken und helfen wollen.
Am nächsten Morgen standen wir voller Zuversicht auf und machten uns gegenseitig Mut, dass die Franzosen einwilligen. Diese wiederum hatten aber zuerst noch einen Termin bei einem anderen Mechaniker und rechneten damit, dass ihr Problem ohne Ersatzteil geregelt werden kann und sie am Nachmittag wieder weiterfahren können. Dummerweise wollte ihr Mechaniker an diesem Tag keine Zeit haben und so standen sie am Abend ebenfalls ohne Erfolg da. In unseren Vorschlag wollten sie aber noch immer nicht einwilligen und bei uns wuchs langsam die Wut.
Es gab aber auch noch erfreuliche News: Uns wurde ein gratis Abstellplatz für unser Auto in Perth angeboten und wir nahmen diese Angebot dankbar an! Wenigstens etwas, das sich erledigt hat. Heinz, so heisst unser Retter für dieses Problem, gab uns seine Angaben und die Info, dass wir uns einfach bei ihm melden sollen, sobald wir wissen, wann wir in Perth ankommen werden. Wir waren wieder einmal von der Hilfsbereitschaft der Australier überwältigt.
Und so ging ein weiterer Tag ins Land und wir sassen noch immer in Halls Creek fest.
Es hilft alles nichts…
Am Donnerstag blieb mir nichts anderes übrig, als schon mal meine Sachen zu packen und alles für meine Abreise mit dem Greyhound vorzubereiten. Denn uns würde nur noch eine einzige Möglichkeit helfen: Die Franzosen müssten bis am Mittag einwilligen, dann müsste der Mechaniker bei ihnen den Verteiler aus- und bei uns einbauen und dann müsste Miss Abbi natürlich auch wieder fahren. Ansonsten hätten wir keine Chance mehr, rechtzeitig in Perth zu sein. Wir schickten in den folgenden Stunden wohl nicht nur ein Stossgebet zum Himmel, aber es half alles nichts. Die Franzosen konnten sich erst Mitte Nachmittag durchringen, uns zu helfen (denn sie mussten nun tatsächlich auch auf ein Ersatzteil warten) und das war natürlich zu spät. Wir versuchten zwar noch, den Mechaniker zu überreden, aber es gelang uns nicht. Jetzt blieb mir nur noch der Greyhound. Wir buchten also noch für denselben Abend ein Ticket für mich nach Perth und genossen danach die letzten gemeinsamen Stunden für die nächste Zeit.
Kurz vor 23:00 Uhr setzte ich mich ganz traurig in den Bus und dieser fuhr mit mir in die australische Nacht. Ich vermisste meinen Schätzu bereits jetzt unheimlich und fragte mich, wie das wohl alles weitergeht.
Zum Lachen war mir eigentlich nicht...
Campingplatz von Halls Creek
Wo ist mein Gepäck und funktioniert der neue Verteiler?
Am frühen Morgen erreichte ich das Roadhouse kurz vor Broome, bei dem ich in den anderen Bus umsteigen musste. Ich hatte diese Info bereits bei der Buchung bekommen und dachte mir nichts Böses dabei. Während der Chauffeur noch mit einer anderen Passagierin diskutierte, verliess ich schon mal den Bus und wartete auf mein Gepäck. Ich staunte nicht schlecht, als der Bus plötzlich davon fuhr und ich ohne Gepäck da stand. Was sollte ich jetzt machen? Die können mich doch nicht einfach hier abstellen und dann mit meinem Gepäck weiterfahren! Ich brauche doch meine Sachen! Schlussendlich kramte ich mein Ticket hervor und rief im Greyhound-Büro an. Natürlich wartete ich in der Warteschleife, da alle Leitungen besetzt waren. Stellt euch vor, ich war an der 11. Position! Was um alles in der Welt wollen all die Leute, die schon vor 7:00 Uhr dorthin anrufen? Das konnte nun doch wirklich nicht so wichtig sein wie mein Problem! Irgendwann hatte ich aber dann doch eine nette Frauenstimme am Apparat und ich schilderte ihr mein Problem. Sie sagte mir, dass sie versuche, den Chauffeur per Funk zu erreichen und die Sache zu klären. In dem Moment sah ich den anderen Bus kommen und ich fragte sie, was ich machen soll. Sie meinte, ich solle diesen Chauffeur informieren und dann wieder ans Telefon kommen. Gesagt getan und ich war unglaublich erleichtert, als er mir sagte, dass er mein Gepäck habe. Ich konnte das gar nicht glauben, auch als er es mir zeigte. So huschte ich kurzerhand in den Gepäckraum und kontrollierte, ob dies auch wirklich mein Tramper ist. Und es war meiner! Also wieder ans Telefon und mich bedanken. Allerdings hörte ich jetzt wieder „nette“ Musik und der Chauffeur wurde ungeduldig. So legte ich den Hörer auf und hoffte, dass die Info irgendwie auch die nette Frau im Büro erreichen wird. Der Chauffeur hat mir dann erklärt, dass die Passagiere immer schon in diesem Roadhouse aussteigen, damit sie genügend Zeit fürs Frühstück haben. Denn in Broome sei die Zeit meist sehr knapp und daher wir dort nur das Gepäck umgeladen. Ach so! Und wieso sagte mir das im Vorfeld keiner??? Egal, ich hatte mein Gepäck wieder und war stolz, dass ich das alles alleine auf englisch geschafft habe. So ging meine Reise weiter und ich wartete auf die erlösende Nachricht von Roger, dass der Verteiler in Halls Creek angekommen ist und unser Auto wieder läuft. Die Nachricht kam dann auch, allerdings war nur der erste Teil positiv.
Für mich folgte danach die zweite Nacht im Bus und Roger sass weiter in Halls Creek fest.
Perth, genau da wollte ich hin.
Dies war auch der Bus, der doch tatsächlich mein Gepäck mitbrachte ;-)
Stopover in Perth
Nach 42 Stunden im Bus kam ich am späten Nachmittag in Perth an. Ich war einfach nur noch müde und wollte möglichst schnell in die YHA. Eine nette Asiatin zeigte mir den Weg vom Bahnhof in die YHA und dort hatte es tatsächlich auch noch ein freies Bett für mich. Denn in diesem ganzen Chaos in den letzten Tagen hatte ich keinen Gedanken an eine Buchung in der YHA verschwendet. Aber das Glück schien mir in diesem Punkt hold zu sein ;-)
Auf der Suche nach einem Nachtessen schlenderte ich noch etwas durch die Stadt und der erste Eindruck war sehr positiv. So freute ich mich umso mehr auf unseren Aufenthalt dort im Dezember ;-)
Nach diesem kleinen Stadtbummel fiel ich todmüde ins Bett und war auf meine Zugreise gespannt.
Wieder mal im Indian Pacific Train
Am Sonntagvormittag holte ich am Bahnhof mein bestelltes Zug-Ticket ab und pünktlich um 12:00 Uhr fuhr der Indian Pacific Train Richtung Adelaide los. Die nächsten ca. 44 Stunden würde ich also nochmals mit Lesen, aus dem Fenster schauen und schlafen verbringen. Ich muss schon sagen, ein wirklich abwechslungsreiches Freizeitprogramm…Hinzu kam, dass ich meinen Schätzu sehr vermisste und mir Sorgen machte, wie lange er wohl noch in Halls Creek festsitzen würde.
Die ersten Stunden im Zug verliefen angenehm und ich genoss die grüne Landschaft, die am Fenster vorbeizog. Einzig über mich selbst regte ich mich wieder mal auf. Da Roger und ich die Zug-Tickets übers Internet gebucht hatten, war eine Annulation nicht möglich. Aus diesem Grunde bezahlten wir zwei Tickets und ich hatte somit auch Anspruch auf zwei Sitze. Das wiederum fand ich natürlich toll ;-) Dann wurde ich aber gefragt, ob nicht eine junge Frau neben mir sitzen könne. Sie hatte irgendwie eine falsche Sitzplatznummer auf ihrem Ticket und wollte nicht auf ihren eigentlichen Sitz wechseln, da es dort etwas enger war als in der ersten Reihe. (Jaja, ich sass tatsächlich in der ersten Reihe!) Sozial wie ich manchmal denke, willigte ich ein. Doch kaum sass sie, ärgerte ich mich schon. Denn zwei Sitze waren wirklich ein Luxus (für den ich in diesem Fall ja auch bezahlt habe) und nun hatte ich nur noch einen. Irgendwann erklärte ich meiner Sitznachbarin aber die Situation und sie meinte, das sei doch kein Problem. Daraufhin wechselte sie wieder ihren Sitzplatz und ich genoss meine Ruhe. Denn momentan wollte ich einfach für mich sein und meinen Gedanken nachhängen.
Spät abends machte dann der Zug in Kalgoorlie einen Stopp von etwas mehr als drei Stunden und ich entschied mich für ein erstes Nickerchen. Denn einen Stadtrundgang im Dunkeln war nicht gerade mein grösster Wunsch. Irgendwann nach Mitternacht fuhr der Zug wieder weiter und ich verabschiedete mich ins Traumland und der Zug in die Nullabor Plain.
Und schon gings wieder weiter, diesmal mit dem Zug.
So kann es einem also auch ergehen, wenn man sich einen Traum erfüllt. Wobei gewisse Momente in dieser Woche eher an einen Albtraum erinnerten, auch wenn das in diesen Zeilen vielleicht nicht mehr so deutlich zum Vorschein kommt. Immerhin zu einer Erkenntnis kamen wir: Es kann nur noch besser werden!
Einzig den Sinn dieser Ereignisse haben wir noch immer nicht ganz erkannt. Aber mindestens Roger hatte ja noch ein paar Tage Zeit, auf Sinnsuche zu gehen ;-)
Liebe Grüsse aus Downunder
Sibylle & Roger
